Recycling einer Gitarre

Ein etwas persönlicherer Bericht


Immer wieder, wenn ich während laufender Arbeiten meine "Restekisten" durchsuche, freue ich mich, wenn ein Stück Holz, das mich schon seit Jahrzehnten begleitet, endlich seinen Platz findet. Bei vielen Originalen aus Renaissance und Barock sieht man, dass z.B. die Streifen der Halsverzierung nicht aus einem Stück geschnitten, sondern aus verschiedenen "Resten" zusammen gesetzt wurden.

Wir vergessen heute, dass in damaliger Zeit es nicht möglich war übers Internet alles, meist über Nacht, bestellen zu können. Ich bin mir sicher, dass es früher kaum Abfälle gab, sonder jeder Rest irgendwie und irgendwo verarbeitet wurde. Heute sind wir, nicht wegen aufwändiger Beschaffung der kostbaren Hölzer, sondern wegen knapper Resourcen nicht mehr in der Position verschwenderisch arbeiten zu dürfen. Vor diesem Hintergrund hat mir die Arbeit an dem Instrument, welches ich im Folgenden beschreibe, besonders viel Freude gemacht.


Mitzi vorherVor einiger Zeit kam mein Freund, Günter Kause (Rufus Zuphall), zu mir mit der Frage ob es möglich wäre eine seiner Gitarren wieder spielbar zu machen. Das Instrument wurde 1965 von P.J. Jerusalem, einem Aachener Gitarrenbauer,Signatur von Mitzies Vater für seine Tochter Mitzi gebaut. Leider war das Instrument klanglich nicht zufriedenstellend und so hat es lange Zeit unbeachtet herum gelegen. Vor einigen Jahren hat Günter das Instrument aus Mitzi Jerusalems Nachlass kaufen können. Den Klang hat dieser Besitzerwechsel leider nicht beeinflußt, und so wurde ich, vor allem wegen des sehr schönen Riopalisanders, beauftragt mal was zu machen. Als erstes haben wir dem Projekt einen Namen gegeben. Daher wird die Gitarre im Folgenden als Mitzi bezeichnet.


Mitzies alte DeckeMitzi hatte einen Hals bei dem man mittels einer Schraube die Saitenlage einstellen konnte. Leider war er im Laufe der Jahre verloren gegangen. Daher bekam ich nur den Korpus. Die Decke zeigte einige Versuche den Klang doch noch zu verbessern. Da sie aber viele Risse und Beschädigungen hatte entschlossen wir uns auch die Decke zu erneuern. Daher blieben nur Zargen und Boden aus denen ein neues Instrument entstehen sollte. Viel bleibt von Mitzi also nicht übrig.


Mitzi vorherDie Bodenbalken, aus Buche, wollten mir nicht so recht gefallen, also habe ich sie ausgetauscht. Das gab mir auch die Möglichkeit den vorher geraden Boden zu wölben. Die vorhandemem Risse im Boden zu flicken und einen Streifen auf die Mittelfuge zu leimen war ohne Decke natürlich kein Problem.


Mitzi vorherDie Decke habe ich mit einer zeitgemäßen Beleistung versehen. Nach dem Aufleimen war es nötig die neue Randverzierung auf der Zarge an der Decke passend zu der am Boden zu machen. Das frische, neue Aussehen der Einlage war mit einem Griff in die Trickkiste schnell an die gealterten Randinlagen am Boden angepasst.


Mitzi vorherDer große Ausschnitt für den beweglichen Hals hätte einen sehr plumpen Fuß am neuen Hals ergeben. Daher entschloss ich mich rechts und links Klötze aus Ebenholz einzuleimen. Man würde sie zwar neben dem schmaleren neuen Halsfuß sehen, aber ich hatte keine bessere Lösung. Nach Fertigstellung von Mitzi zeigte sich aber, dass es kaum auffiel.


Mitzi vorherDie weiteren Arbeiten an Hals, Kopf und Griffbrett waren dann ganz normaler Gitarrenbau-Alltag und bedürfen keiner weiteren Erwähnung. Da Günter neben seinen Eigenkompositionen und dem allgemeinen Repertoir begeistert Tonleitern übt, bat er mich das Griffbrett mit 22 Bünden zu machen. Nach anfänglichen Bedenken meinerseits haben wir uns dann geeinigt und das Ergebnis gefällt nun sogar mir. Als Mechaniken gab es noch ein paar alte Landsdorfer die ich mit Kugellagern modernisiert habe.


Mitzi fertigNach der Schellackpolitur zeigten sich Zargen und Boden in ganzer Schönheit. Altersbedingte Fehlstellen habe ich stehen lassen. Unser Ziel war ja kein neues Hochglanzinstrument, sondern man sollte sehen, dass Mitzi nicht mehr die Jüngste ist. Optisch hat unser Projekt "Mitzi" zu einer sehr schönen Gitarre geführt. Ob sich der Aufwand aus klanglicher Sicht gelohnt hat müssen Sie selber beurteilen. Unten finden Sie einige Klangbeispiele.





Sollten Sie auch ein Instrument besitzen das einer Renovierung bedarf sprechen Sie mich an. Wir können dann gemeinsam überlegen was möglich ist und ob es sich lohnt.



Prelude I
Komponist und Interpret
Günter Krause-Westen (© Gema)











Heart Choral
Komponist und Interpret
Günter Krause-Westen (© Gema)











Cassie's Tune
Komponist und Interpret
Günter Krause-Westen (© Gema)










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