Recycling einer Gitarre


Immer wieder, wenn ich während laufender Arbeiten meine "Restekisten" durchsuche, freue ich mich, wenn ein Stück Holz, das mich schon seit Jahrzehnten begleitet, endlich seinen Platz findet. Bei vielen Originalen aus Renaissance und Barock sieht man, dass z.B. die Streifen der Halsverzierung nicht aus einem Stück geschnitten, sondern aus verschiedenen "Resten" zusammen gesetzt wurden.

Wir vergessen heute, dass in damaliger Zeit es nicht möglich war übers Internet alles, meist über Nacht, bestellen zu können. Ich bin mir sicher, dass es früher kaum Abfälle gab, sonder jeder Rest irgendwie und irgendwo verarbeitet wurde. Heute sind wir, nicht wegen aufwändiger Beschaffung der kostbaren Hölzer, sondern wegen knapper Resourcen nicht mehr in der Position verschwenderisch arbeiten zu dürfen. Vor diesem Hintergrund hat mir die Arbeit an dem Instrument, welches ich im Folgenden beschreibe, besonders viel Freude gemacht.


jerusalem vorherVor einiger Zeit bekam ich eine Gitarre von P.J. Jerusalem, einem Aachener Gitarrenbauer, zur Reparatur in die Werkstatt.Signatur von jerusalemes VaterLeider war das Instrument klanglich nicht zufriedenstellend und so hat es lange Zeit unbeachtet herum gelegen. Nun wurde ich, vor allem wegen des sehr schönen Riopalisanders, beauftragt aus dem noch vorhandenen Korpus wieder ein spielbares Instrument zu machen.


jerusalemes alte DeckeUrsprünglich gab es einen Hals bei dem man mittels einer Schraube die Saitenlage einstellen konnte. Die Decke zeigte einige "Versuche" den Klang doch noch zu verbessern. Da sie viele Risse und Beschädigungen hatte entschloss ich mich auch die Decke zu erneuern. Daher blieben nur Zargen und Boden aus denen ein neues Instrument entstehen sollte. Viel blieb von Jerusalems Gitarre also nicht übrig.


jerusalem vorherDie Bodenbalken, aus Buche, wollten mir nicht so recht gefallen, also habe ich sie ausgetauscht. Das gab mir die Möglichkeit den vorher geraden Boden zu wölben. Die vorhandemem Risse im Boden zu flicken und einen Streifen auf die Mittelfuge zu leimen war ohne Decke natürlich kein Problem.


jerusalem vorherDie Decke habe ich mit einer zeitgemäßen Beleistung versehen. Nach dem Aufleimen war es nötig die neue Randverzierung an der Decke passend zu der am Boden zu machen. Das frische, neue Aussehen der Einlage war mit einem Griff in die Trickkiste schnell an die gealterten Randinlagen am Boden angepasst.


jerusalem vorherDer große Ausschnitt für den beweglichen Hals hätte einen sehr plumpen Fuß am neuen Hals ergeben. Daher entschloss ich mich rechts und links Klötze aus Ebenholz einzuleimen. Man würde sie zwar neben dem schmaleren neuen Halsfuß sehen, aber ich hatte keine bessere Lösung. Nach Fertigstellung zeigte sich aber, dass es kaum auffiel.


jerusalem vorherDie weiteren Arbeiten an Hals, Kopf und Griffbrett waren dann ganz normaler Gitarrenbau-Alltag und bedürfen keiner weiteren Erwähnung. Als Mechaniken gab es noch ein paar alte Landsdorfer die ich mit Kugellagern modernisiert habe.


jerusalem fertigNach der Schellackpolitur zeigten sich Zargen und Boden in ganzer Schönheit. Altersbedingte Fehlstellen habe ich stehen lassen. Das Ziel war ja kein neues Hochglanzinstrument, sondern man sollte sehen, dass es sich um eine "ältere" Gitarre handelt. Optisch hat das Projekt zu einer sehr schönen Gitarre geführt. Ob sich der Umbau in klanglicher Hinsicht gelohnt hat läßt sich hier leider nicht dokumentieren.





Sollten Sie auch ein Instrument besitzen das einer Renovierung bedarf sprechen Sie mich an. Wir können dann gemeinsam überlegen was möglich ist und ob es sich lohnt.



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